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Nemophora violellus
Enzian-Langhornmotte   
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Synonyme und andere Namen:
(1) Nemotois violellus Stainton, 1851 (p. 19; TL: nicht angegeben)
Nemophora violellus (Stainton, 1851)
Nemophora violella (Stainton, 1851)
(2) Adela violaria Razowski, 1978

Zur Nomenklatur: die Formelhaftigkeit vieler Schmetterlingsnamen hat bereits Linnaeus (1758) eingeführt; solche Namen müssen nach den Nomenklaturregeln jeweils für sich analysiert und bewertet werden (siehe Erklärung). Der Gattungsname Nemophora ist grammatikalisch feminin (Article 30.1.3. der Nomenklaturregeln; ICZN 1999), so dass adjektivisch gebrauchte Artepitheta an dieses Geschlecht angepasst werden müssen. Die Originalbeschreibung dieser Art als "Nemotois violellus" hält sich an die von Linnaeus (1758) eingeführte Formelendung -ella für die Gruppe Tineae, weicht aber ab, indem nun die Endung an das grammatikalisch maskuline Geschlecht des ursprünglichen Gattungsnamens Nemotois angepasst wird. In der gleichen Weise verfährt Stainton (1851) in der gesamten Publikation: in Gattungen mit grammatikalisch weiblichem Gattungsnamen verwendet er -ella, in Gattungen mit grammatikalisch männlichem Gattungsnamen verwendet er -ellus, und in Gattungen mit grammatikalisch sächlichem Gattungsnamen verwendet er -ellum. Dies ist ein klarer Nachweis, dass das Artepithet von Stainton (1851) adjektivisch verwendet wird. Allerdings ist das nach den Nomenklaturregeln nur dann relevant, wenn es sich um ein Artepithet handelt, das als Wort sowohl ein Adjektiv/Partizip oder ein Substantiv sein kann: dann entscheidet der Gebrauch des Autors (Article 31.2.2.). Falls es sich beim Artepithet aber gar nicht um ein lateinisches oder latinisiertes Wort handelt, dann gilt nach ICZN Article 31.2.3. dass das Wort als undeklinierbar aufgefasst werden muss ("be treated as indeclinable"). Das Artepithet in der Originalschreibweise lautet "violellus". Dies ist kein Adjektiv aus dem Wortschatz des Lateinischen, weder des klassischen Lateins noch des Neulateinischen. Ein Adjektiv "violus, -a, -um" gibt es nicht und somit auch das Diminutiv "violellus, -a, -um" nicht. Das belegte Adjektiv lautet lat. violaceus = "violett, lila, veilchenfarben". Es ist ebenfalls nicht das Diminutiv des Substantivs lat. viola, -ae = "Veilchenfarbe", da dies korrekt violella lautet (das Diminutiv importiert im Lateinischen immer das grammatikalische Geschlecht vom Wort, das es verkleinert). Das Artepithet ist also kein echtes (d.h. linguistisch belegtes) lateinisches Wort und auch kein latinisiertes Wort aus einer anderen Sprache. Es fällt damit unter ICZN Article 31.2.3. und wird als undeklinierbar aufgefasst.

Auch der Autor des Namens ist in der Literatur umstritten. Meist sieht man die Angabe "Herrich-Schäffer in Stainton". Das ist jedoch falsch: Herrich-Schäffer hat die Art lediglich abgebildet aber nicht benannt. Den Namen prägt dann Stainton (1851), jedoch völlig ohne jede Beschreibung. Der Name wäre deshalb ein Nomen nudum, hätte Stainton (1851) nicht die Referenz auf die Herrich-Schäffersche Abbildung hinzugefügt. Es handelt sich hier also um eine sog. Indication (Article 12.2. der Nomenklaturregeln; ICZN 1999). Autor ist dadurch jedoch nicht Herrich-Schäffer, sondern natürlich Stainton. Zum einen sind als Indications ausdrücklich auch Werke vor 1758 zugelassen (Article 12.2.1.), wenn also die Autoren der Werke auf die eine Indication verweist als Autoren der Namen gelten würden, dann könnten auf diese Weise Autoren auch vor dem Stichtag der zoologischen Nomenklatur (1.1.1758) zu Namensautoren werden, was durch die Nomenklaturregeln jedoch klar ausgeschlossen ist. Außerdem definiert Article 50.1. ganz klar diejenige Person als Namensautor, die erstmals die Kriterien der Verfügbarkeit eines nomenklatorischen Akts erfüllt, das ist hier also nicht Herrich-Schäffer, denn er hat überhaupt keinen Namen vergeben und damit gar keinen nomenklatorischen Akt vollzogen, sondern ausschließlich Stainton.

Quellen und Einzelnachweise
International Commission on Zoological Nomenclature. 1999. International Code of Zoological Nomenclature. Fourth Edition. The International Trust for Zoological Nomenclature, London.

Kozlov MV. 2004. Annotated checklist of the European species of Nemophora (Adelidae). Nota Lepidopterologica 26, 115-126.

Linnaeus C. 1758. Systema naturae. Tomus I. Editio decima, reformata. Laurentius Salvius, Stockholm.

Stainton HT. 1851. A supplementary catalogue of the British Tineidae & Pterophoridae. John van Voorst, London.



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Zoographia Germaniae wird verfasst und herausgegeben von Niko Prpic-Schäper.
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