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Artenliste Überblick
Nomenklatur
Informationen zur Nomenklatur einzelner Gattungen.

Manche Taxa der folgenden Listen gelten manchmal als valide Untergattungen; da ich das Konzept der Untergattung jedoch meist unberücksichtigt lasse, führe ich hier alle kongenerischen Taxa als Synonyme auf.

Genus Lestes Leach, 1815 – Binsenjungfern (p. 137; Typusart: Agrion forcipula Charpentier, 1825; durch nachträgliche Festlegung: Prpic-Schäper 2026; p. 12)
= Puella Brulle, 1832 (Typusart: Agrion barbara Fabricius, 1798; regelkonform festgelegt?)
= Anapetes Charpentier, 1840 (Typusart: Agrion forcipula Charpentier, 1825; regelkonform festgelegt?)
= Africalestes Kennedy, 1920 (Typusart: Agrion virgatum Burmeister, 1839; durch Monotypie)
= Chalcolestes Kennedy, 1820 (Typusart: Agrion viridis Vander Linden, 1825; durch Originalfestlegung)
= Paralestes Schmidt, 1951 (Typusart: Lestes praemorsus Hagen, 1862; durch Originalfestlegung)
= Xerolestes Fraser, 1951 (Typusart: Lestes pallidus Rambur, 1842; durch Originalfestlegung)
= Icterolestes Pinhey, 1980 (Typusart: Lestes intericus Gerstaecker, 1869; durch Originalfestlegung)
= Malgassolestes Pinhey, 1980 (Typusart: mir nicht bekannt)
= Pseudochalcolestes Pinhey, 1980 (Typusart: Lestes auripennis Fraser, 1955; durch Originalfestelegung)
= Anapates auct. (Lapsus)
Leach (1815) hat die Gattung mit den Worten "Wings membranaceous, with an oblong quadrate stigma. Abdomen of the male armed with a forceps-like appendage" beschrieben, aber keine Arten genannt, die in der neuen Gattung enthalten sind (Anmerkung: die Angabe in Steinmann 1997 (p. 111), dass Leach (1815) "Lestes barbarus" als "Generotype" festgelegt habe, ist falsch). Diese Vorgehensweise ist für Gattungsnamen, die vor 1931 beschrieben wurden, durch ICZN Article 12 gedeckt. Solche Gattungen haben dann jedoch zunächst keine sog. "originally included nominal species". ICZN Article 67.2.2. legt deshalb fest, dass diejenige(n) Art(en) die nachträglich als erste der Gattung zugeordnet werden als "originally included" zu gelten haben. Der erste Autor, der der Gattung Lestes Arten namentlich zugeordnet hat, war Samouelle (1819), der nur eine einzige Art in die Gattung einschließt: "Lestes autumnalis". Somit käme hier Article 69.3. zum Tragen und die Art wäre damit die Typusart der Gattung. Allerdings ist "Lestes autumnalis" ein Nomen nudum und ist als Taxonname nomenklatorisch nicht verfügbar. Das Artepithet autumnalis entstammt vermutlich einem Manuskript von William Elford Leach, das in den Jahren nach 1815 zirkulierte, durch seine Erkrankung im Jahr 1821 und seinen frühen Tod jedoch nie publiziert wurde. Der nächste Autor, der die Gattung Lestes mit Arten füllt, ist Stephens (1835). Er listet in Lestes folgende drei Arten: "Lestes viridis", "Lestes nympha" und "Lestes forcipula". Bei allen drei Arten zitiert er seinen eigenen Catalogue von 1829 (Stephens 1829), der jedoch nur Namenslisten aber keine Beschreibungen enthält, so dass er für die Nomenklatur der Arten nicht von Belang ist. Bei "Lestes viridis" zitiert Stephens (1835) außerdem "Van. Linden, p. 36" bezieht sich also eindeutig auf das Werk von Vander Linden (1825), nicht auf Vander Linden (1820). "Lestes viridis" ist also das nominale Taxon Agrion viridis Vander Linden, 1825. Bei "Lestes nympha" zitiert Stephens (1835) außerdem noch "Kirby MSS". Dabei muss es sich um den "Synonymic Catalogue" von Kirby handeln, der zu dieser Zeit bereits als unfertiges Manuskript ("MSS") zirkulierte, jedoch erst sehr viel später (Kirby 1890) tatsächlich als Publikation erschienen ist. Der 1890 publizierte Katalog enthält sowohl den Hinweis auf die Erwähnung von "Lestes nympha" bei Stephens (1835), als auch die Originalbeschreibung des Namens durch Hansemann (1823). Das noch unfertige "Kirby MSS", auf das Stephens (1835) sich bezieht, kann jedoch selbstverständlich nur den Hinweis auf Hansemann (1823) enthalten haben, deshalb muss der Hinweis "Kirby MSS" in Stephens (1835) zwingend die Originalbeschreibung durch Hansemann meinen, auch wenn er Hansemann nicht explizit erwähnt: vermutlich kannte er dessen Publikation gar nicht selbst, da sie nicht auf Englisch oder Lateinisch, sondern auf Deutsch verfasst ist. "Lestes nympha" ist also das nominale Taxon Agrion nympha Hansemann, 1823. Und schließlich bei "Lestes forcipula" zitiert Stephens (1835) folgende Quellen "Charpentier, Horae Ent. p. 6. – Le. autumnalis. Steph. Catal. 308. No. 3422". "Lestes autumnalis" bleibt auch hier weiterhin das Nomen nudum, das es seit der Publikation von Samouelle (1819) ist. Aber der Hinweis auf Charpentier (1825) belegt, dass mit "Lestes forcipula" das nominale Taxon Agrion forcipula Charpentier, 1825 gemeint ist.
Aus diesen drei nominalen Taxa (Agrion viridis Vander Linden, 1825, Agrion nympha Hansemann, 1823 und Agrion forcipula Charpentier, 1825) muss also nun die Typusart ausgewählt werden (ICZN Article 69.1.). Stattdessen wurde lange irrtümlich diskutiert (siehe Überblick in Jödicke 1997) ob nun "Lestes barbara/barbarus" oder "Lestes sponsa" die Typusart sind, obwohl beide gar nicht zu den "originally included nominal species" gehören und deshalb auch nicht als Typusarten in Betracht kommen (siehe hierzu vor allem das "Example" nach ICZN Recommendation 67B). Ich habe deshalb die Festlegung auf die Typusart Agrion forcipula Charpentier, 1825 durchgeführt (Prpic-Schäper 2026).
Etymologie: gr. λῃστής (lēistḗs; auch: lēstēs) m. = "Räuber, Bandit, Pirat" (siehe auch Hämäläinen & Fliedner 2023). Es ist ein unverändert transliteriertes griechisches Wort (ICZN Article 30.1.2.), der Gattungsname erhält deshalb das grammatikalisch männliche Geschlecht.

Genus Sympecma Burmeister, 1839 – Winterlibellen (p. 823; Typusart: Agrion phallatum Charpentier, 1825; durch nachträgliche Festlegung: Prpic-Schäper 2026; p. 14)
= Sympycna Charpentier, 1840 (p. 19 & 24; Typusart: Agrion phallatum Charpentier, 1825; durch Monotypie)
= Sympicna auct. (Lapsus)
= Symprema auct. (Lapsus)
= Semprema auct. (Lapsus)
= Sumpycna auct. (Lapsus)
= Sympecna auct. (Lapsus)
= Sympegma auct. (Lapsus)
= Sympygna auct. (Lapsus)
= Tympyna auct. (Lapsus)
Burmeister (1839) erwähnt Sympecma als Untergattung von Agrion und bezieht sich dabei auf ein Manuskript Charpentiers; er zitiert wie folgt: "Sympecma Charp.". Dieses Manuskript war jedoch zum Zeitpunkt des Erscheinens des Burmeisterschen Werkes im Jahr 1839 noch nicht gedruckt, so dass nach den heute gültigen Nomenklaturregeln (ICZN 1999) Burmeister als Erstautor gelten muss. Auch Selys (1840) bezieht sich auf das unveröffentlichte Manuskript Charpentiers und zitiert wie folgt: "Subgenus SYMPECMA. T. de Charp. MSS". Als das Werk Charpentiers dann Ende 1840 veröffentlicht wurde (Charpentier 1840), erscheint das Taxon nun aber mit dem Namen Sympycna; vermutlich hat sich Charpentier kurzfristig zu einer Änderung des Manuskriptnamens entschlossen (er schreibt zur Etymologie folgendes: "Nomen a Graeco σύμπυϰνος desumtum, propter alarum arcte erectarum situm, quem animal vivens in sedendo prae se fert"). Die Angabe bei Steinmann (1997), dass Burmeisters Sympecma ein "undescribed name" sei, ist falsch, ebenso wie die Seitenangabe "824". Stattdessen liefert Burmeister (1839) auf Seite 823 eine kurze aber gültige Beschreibung ("Die Einen, welche sich durch sehr schmale etwas zugespitzte Fluegel, und einen zierlicheren Koerperbau auszeichnen, tragen ihre Fluegel in der Ruhe, gleich den Vorigen, aufgerichtet und zusammen geklappt. Ihr Randmahl ist schmal") und ordnet der Untergattung auch zwei Arten zu: "Agrion phallatum" und "Agrion cingulatum". Die Beschreibung der Untergattung entspricht somit den Anforderungen des ICZN (1999) und der Name ist ein verfügbarer sog. species-group name. Eine Typusart wird in der Originalbeschreibung aber nicht festgelegt und kann nachträglich nur aus den beiden ursprünglich zugeordeten Arten erfolgen (ICZN Article 67.2.) Steinmann (1997) und Jödicke (1997) vertreten die Auffassung, dass Selys (1840) eine Festlegung der Typusart auf "Agrion fusca Vander Linden, 1823" durch Monotypie durchgeführt hat. Dies ist aber nicht korrekt: Selys (1840) behandelt zwar nur "Sympecma fusca" genauer, schließt jedoch auch eine zweite Art in die Gattung Sympecma mit ein: "L' Agrion zonatum (Burmeister) de l'Océanie est du genre Sympecma". Es liegt also keine Monotypie vor. Viel wichtiger ist aber, dass das Taxon Agrion fusca nicht zu den "originally included nominal species" gehört (ICZN Article 67.2.) und deswegen als Typusart gar nicht in Betracht kommt. Da mir keine Publikation bekannt ist, die die Kriterien nach ICZN Article 69.1. erfüllt und die Typusart gültig festlegt, habe ich als Typusart schließlich Agrion phallatum Charpentier, 1825 festgelegt (Prpic-Schäper 2026).
Etymologie: die Auffassung, dass der Gattungsname eine sinnlose Wortschöpfung Burmeisters und Selys ist, weil beide im damals noch unveröffentlichten Manuskript Charpentiers das angeblich dort bereits stehende "Sympycna" nicht korrekt entziffern konnten (siehe Fliedner 2006; Jödicke 1997) ist nicht stichhaltig, da der Gattungsname gar keine sinnlose Wortschöpfung ist. Stattdessen basiert der Gattungsname auf dem Partizip gr. σύμπηκτος (súmpēktos) = "erstarrt, geronnen", verbunden mit der Nachsilbe gr. -μᾰ (-mă), die an Verbalstämme angefügt wird, um grammatikalisch sächliche Nomina zu bilden, die das Ergebnis eines Vorganges bezeichnen. Der Begriff gr. σύμπηκμᾰ n. (súmpēkmă) bedeutet also "das Erstarrte" bzw. hier "die Erstarrte" (weil "Libelle" im Deutschen grammatikalisch weiblich ist). Dies ist eine Anspielung darauf, dass die Arten der Gattung als Imagines überwintern (als einzige Libellengruppe!) und im Winter deshalb in der Vegetation in Kältestarre aufgefunden werden können. Die Transliteration (oder hier besser: Transkription) des griechischen Kappa als "c" statt "k" ist im akademischen Gebrauch des 19. Jahrhunderts nicht ungewöhnlich, da sich das lateinische "C, c" und das altgriechische Kappa entsprechen. Der Gattungsname Sympecma ist also ein unverändert aus dem Altgriechischen transliteriertes Wort, das nach ICZN Article 30.1.2. das grammatikalische Geschlecht des Wortes im Griechischen behält, in diesem Falle das sächliche Geschlecht.

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Quellen und Einzelnachweise
Burmeister H. 1839. Handbuch der Entomologie. Zweiter Band: Besondere Entomologie. Zweite Abtheilung: Kaukerfe, Gymnognatha. (Zweite Haelfte; vulgo Neuroptera). Theodor Christian Friedrich Enslin, Berlin.

De Charpentier T. 1825. Horae Entomologicae. A. Gosohorsky, Wratislaviae [Bratislava].

De Charpentier T. 1840. Libellulinae Europaeae. Leopold Voss, Leipzig.

Fliedner H. 2006. The scientific names of the Odonata in Burmeister's 'Handbuch der Entomologie'. Virgo 9, 5-23.

Hämäläinen M, Fliedner H. 2023. Why did William Elford Leach call a small damselfly a 'pirate'? – Revisiting the etymology of the genus Lestes (Odonata: Lestidae). Notulae Odonatologicae 10, 8-16.

Hansemann JWA. 1823. Anfang einer Auseinandersetzung der deutschen Arten der Gattung Agrion F. Zoologisches Magazin (Wiedemann) Band II, Stueck I, 148-161.

International Commission on Zoological Nomenclature. 1999. International Code of Zoological Nomenclature. Fourth Edition. The International Trust for Zoological Nomenclature, London.

Jödicke R. 1997. Die Binsenjungfern und Winterlibellen Europas. Die Neue Brehm-Bücherei 631. Westarp Wissenschaften, Magdeburg.

Kirby WF. 1890. A Synonymic Catalogue of Neuroptera Odonata, or Dragonflies. Gurney & Jackson, London, zugl. Friedländer & Sohn, Berlin.

Leach WE. 1815. [Lemma] Entomology. In Brewster D (Herausgeber). The Edinburgh Encyclopedia. Volume IX. William Blackwood and John Waugh, Edinburgh, John Murray, Baldwin & Cradock, J. M. Richardson, London. Pp. 57–172.

Prpic-Schäper NM. 2026. Etymology and Nomenclature of the Genera Lestes and Sympecma (Odonata: Lestidae). Hefte zur Tierwelt Deutschlands 5, 11-16. (PDF Dokument)

Samouelle G. 1819. The entomologist's useful compendium. Thomas Boys, London.

De Selys Longchamps E. 1840. Monographie des libellulidees d'Europe. Librairie Encyclopedique de Roret, Paris.

Steinmann H. 1997. World catalogue of Odonata. Volume I Zygoptera. In: Das Tierreich (Hrsg: Wermuth H, Fischer M), Teilband 110, Walter de Gruyter, Berlin, New York.

Stephens JF. 1829. A Systematic Catalogue of British Insects. Baldwin and Cradock, London.

Stephens JF. 1835. Illustrations of British Entomology. Mandibulata. Vol. VI. Baldwin and Cradock, London.

Vander Linden PL. 1820. Agriones bononienses. Typographia Annesii de Nobilibus, Bologna.

Vander Linden PL. 1825. Monographiae Libellulinarum Europaearum Specimen. J. Frank, Bruxellis [Brüssel].

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