Präparat in der Sammlung des
Zoologischen Museums Göttingen, mit freundlicher
Genehmigung.
Präparat in der Sammlung des
Zoologischen Museums Göttingen, mit freundlicher
Genehmigung.
Synonyme und andere Namen:
Sp. decaocto:
(1) Columba risoria decaocto Frivaldsky, 1838
Turtur decaocto (Frivaldszky, 1838)
Streptopelia decaocto (Frivaldszky, 1838)
Streptopelia decaocto decaocto (Frivaldszky, 1838)
(2) Turtur douraca Hodgson, 1844 (Nomen nudum)
(3) Peristera intercedens Brehm, 1855
Streptopelia intercedens (Brehm, 1855)
Streptopelia decaocto intercedens (Brehm, 1855)
(4) Columba chinensis Severzov, 1873 (nec Columba
chinensis Scopoli, 1786; primäres Homonym)
(5) Turtur stoliczkae Hume, 1874 (TM: Holotypus,
Roonwal 1940)
Turtur douraca stoliczkae (Hume, 1874)
Streptopelia stoliczkae (Hume, 1874)
Streptopelia decaocto stoliczkae (Hume, 1874)
(6) Streptopelia decaocto zarudnyi Serebrowskij,
1928
(7) Streptopelia decaocto koreensis Buturlin, 1934
Wichtige Fehlbestimmungen der sp. decaocto:
(a) Colubam risoriam auct. nec Linnaeus, 1758
(Druckfehler in beiden Namen?)
(b) Turtur risorius auct. nec Linnaeus, 1758
Turtur risoria auct. nec Linnaeus, 1758
(c) Streptopelia torquata auct. nec Brisson, 1760
Sp. risoria:
(1) Columba risoria Linnaeus, 1758 (TM: Neotypus,
van Grouw 2018, van Grouw et al. 2023)
Turtur risorius (Linnaeus, 1758)
Turtur risoria (Linnaeus, 1758)
Peristera risoria (Linnaeus, 1758)
Streptopelia risoria (Linnaeus, 1758)
Streptopelia risoria risoria (Linnaeus, 1758)
(2) Turtur torquatus Brisson, 1760 (p. 95; TL: nicht
angegeben) (nicht verfügbarer Name, ICZN 1987, p. 313)
Streptopelia torquata (Brisson, 1760)
(3) Turtur hybridus Brisson, 1760 (p. 97; TL: nicht
angegeben, als Kreuzungsprodukt (Hybrid) aus Turteltaube und
Lachtaube beschrieben) (nicht verfügbarer Name, ICZN 1987,
p. 313)
(4) Turtur lusitanus Brisson, 1760 (p. 98; TL: "in
Lusitania / en Portugal"; möglicherweise ein Name für eine
sehr dunkle Zuchtform) (nicht verfügbarer Name, ICZN 1987,
p. 313)
(5) Columba alba Temminck, 1808 (TM: verschollen,
van Grouw et al. 2023)
Streptopelia risoria alba (Temminck, 1808)
(6) Peristera ridens Brehm, 1855 (Syntypen, van
Grouw et al. 2023)
Streptopelia semitorquata ridens (Brehm, 1855)
(7) Columba roseogrisea Sundevall, 1857 (TM:
Neotypus, van Grouw 2018, van Grouw et al. 2023)
Turtur roseogriseus (Sundevall, 1857)
Turtur roseogriseus roseogriseus (Sundevall, 1857)
Streptopelia roseogrisea (Sundevall, 1857)
Streptopelia roseogrisea roseogrisea (Sundevall, 1857)
(8) Turtur fallax Schlegel, 1873 (TM: Holotypus, van
Grouw et al. 2023)
(9) Turtur roseogriseus arabicus Von Neumann, 1904
(TM: verschollen, van Grouw et al. 2023)
Streptopelia roseogrisea arabica (Von Neumann, 1904)
(10) Streptopelia roseogrisea bornuensis Bannermann,
1931 (TM: Holotypus, van Grouw et al. 2023)
(11) Streptopelia risoria domestica Van Grouw,
Hernandez-Alonso, Cavill et Gilbert, 2023 (p. 161; Nomen
nudum)
(12) Turtur riosrius auct. (Druckfehler)
Wichtige Fehlbestimmung der sp. risoria:
(a) Turtur albiventris auct. nec Gray, 1844
(Fehlbestimmung)
Anmerkung: durch die lange Geschichte ihrer
Domestikation hat die Lachtaube auch viele Namen aus der
Zeit vor 1758, die gerade von Autoren des 18. und 19.
Jahrhunderts gerne als "Synonyme" gelistet wurden. Diese
Namen werden hierdurch jedoch nicht nomenklatorisch
verfügbar (ICZN Article 11.6.3.). Beispiele für solche
vor-Linnéeschen Namen sind Turtur mixtus Schwenck, Columba
indica Aldrovandi, Turtur indicus Aldrovandi, Turtur
turcicus Schwenck, Columba portugallensis Klein.
Abb. 1: Unveränderte Wiedergabe der
Abbildung 7A aus van Grouw et al. (2023). Die
Streptopelia-Individuen bilden zwei monophyletische Gruppen,
die als zwei monotypische Arten anerkannt werden: rot –
Streptopelia decaocto und blau/gelb/grün – Streptopelia
risoria. In der Abbildung verwenden van Grouw et al. (2023)
innerhalb von Strepotpelia risoria jedoch irrtümlich noch
diverse Unterartbezeichnungen "S. r. risoria", "S. r.
arabica" und "S. r. domestica". Letzteres ist völlig
unverständlich, denn das Individuum D15 (India) ist der
Neotypus des Taxons risoria, wodurch diese Gruppe
automatisch auch den Unterartnamen "risoria" hätte erhalten
müssen; stattdessen verwenden die Autoren mit dem Taxonnamen
"domestica" ein Nomen nudum, das offenbar eine unbedachte
"Neuschöpfung" für die Abbildung darstellt, denn im Text der
Publikation formulieren die Autoren vorsichtiger und
verwenden die nomenklatorisch neutrale Bezeichnung
"domesticated Barbary Doves".
Es werden keine Unterarten unterschieden; das Taxon
xanthocycla gilt aktuell als separate südostasiatische Art
Streptopelia xanthocycla, und alle anderen früher als
Subspecies gewerteten Taxa sind Synonyme (siehe Infobox).
Die phylogenetische Verwandtschaft von Streptopelia decaocto
mit den Taxa roseogrisea und risoria war lange ungeklärt. Der
Name risoria wurde für die domestizierte Lachtaube verwendet.
Die Lachtaube ist ein beliebter Käfigvogel, von dem es auch
mehrere Färbungsvarianten gibt, u. a. die reinweißen Tauben,
die für Zaubershows sehr beliebt sind, da sie kleiner und
zahmer sind als weiße Zuchtformen anderer Taubenarten. Meist
wurde vermutet, dass die Lachtaube aus afrikanischen
Wild-Populationen gezüchtet wurde, die mit dem Taxonnamen
roseogrisea bezeichnet wurden. Alle drei Taxa – risoria,
roseogrisea und decaocto – sind sich sehr ähnlich und einzelne
Tiere können oft nicht eindeutig zugeordnet werden. Auch ein
Genfluss zwischen den Taxa wird vermutet, so dass viele nicht
eindeutig bestimmbare Individuen als "mögliche Hybride"
angesehen werden. Die Studie von van Grouw et al. 2023 hat
erstmals eine kleinere Anzahl von Individuen aller drei Taxa
molekular-phylogenetisch untersucht. Das Phylogramm dieser
Arbeit ist hier in Abb. 1 unverändert wiedergegeben. Das
Phylogramm ist nicht ganz unproblematisch, da die Wurzel nicht
eindeutig definiert ist (die Legende erklärt, dass der Baum
mit Phasianus colchicus gewurzelt wurde, die Abbildung zeigt
an der Wurzel jedoch nicht nur Phasianus colchicus, sondern
drei nicht aufgelöste Lineages). Klar zu erkennen ist jedoch,
dass die untersuchten Streptopelia-Individuen zwei getrennte
Monophyla bilden: (1) alle decaocto-Tiere (in rot dargestellt)
und (2) alle übrigen Tiere die zuvor als "risoria" und
"roseogrisea" bezeichnet wurden. Innerhalb der Gruppe 2 sind
die Lachtauben, also die domestizierte Variante, in grün
dargestellt. Sie sind durch die Zucht stark abgeleitet, was
durch die Länge der Äste gut sichtbar wird, sie können aber
nicht als eigene Gruppe vom Rest abgetrennt werden, ohne dass
der Rest ein Paraphylum wird. Es ist offensichtlich, dass die
Domestikation auf der Arabischen Halbinsel stattgefunden haben
muss, da die nächstverwandten wilden Individuen aus Saudi
Arabien und dem Jemen stammen. Die domestizierten Tiere und
die Wildvögel von der arabischen Halbinsel bilden zusammen
zwar eine monophyletische Gruppe, die Gruppe aus
Kontinentalafrika (Tschad, Nigeria und Sudan) wird dann aber
zum Paraphylum. Somit schlussfolgern van Grouw et al. (2023)
richtig, dass die Gruppe 2 nicht weiter in gut begründete
monophyletische Gruppen unterteilt werden kann und deshalb ein
monotypisches Taxon darstellt. Die Autoren erkennen dieses
Taxon im Artrang an, und ich folge dieser Auffassung hier. Der
Name des Taxons war lange umstritten, wurde aber durch die
International Commission for Zoological Nomenclature als
Streptopelia risoria festgelegt (ICZN 2008). Die Einwände von
Donegan (2024) gegen diese Auffassung sind irrelevant bzw.
falsch, so die Behauptung, dass die domestizierten Formen eine
gute Art darstellen, weil sie in Fig. 7A in van Grouw et al.
(2023) einen "distinct clade" bilden. Donegan (2024) übersieht
dabei offenbar, dass durch Anerkennung dieses "distinct clade"
als Art Streptopelia risoria, die Restgruppe, die er als gute
Art Streptopelia roseogrisea auffassen will, nicht mehr
monophyletisch ist.
Abb. 2: Die Individuen des
Mittelmeerraums und der Kanaren gleichen durch ihre geringe
Größe und den schlanken Körperbau eher Streptopelia risoria
und werden oft als Hybride zwischen Streptopelia decaocto
und Streptopelia risoria gedeutet. (A, B) Puerto de la Cruz
(Teneriffa, Kanarische Inseln), 2. Oktober 2008. (C)
Capdepera (Mallorca, Balearen), 24. Juli 2026.
Wild oder verwildert kommt Streptopelia risoria in
Deutschland nicht vor. Lediglich aus der Haltung entwichene
Einzeltiere der domestizierten Form ("Lachtauben") können
vereinzelt angetroffen werden. Der Status der verwilderten
"risoria/roseogrisea"-Populationen im übrigen Europa bleibt
weiter unklar: vor allem auf vielen Mittelmeerinseln und auf
den Kanarischen Inseln kommen Populationen vor, die in ihren
Merkmalen zwischen Streptopelia decaocto und Streptopelia
risoria stehen. Sie gelten oft als Hybride der beiden Arten.
Die Abb. 2 zeigt Tiere von Teneriffa und Mallorca, die
äußerlich durch ihren grazilen Körperbau mehr Streptopelia
risoria gleichen als Streptopelia decaocto.
Schließlich ist nicht auszuschließen, dass in die
domestizierten Zuchtlinien von Streptopelia risoria in der
langen Zeit der Domestikation weitere Streptopelia-Arten
eingekreuzt wurden, so dass das Erbgut zumindest in kleinen
Teilen auch Erbgut-Bestandteile z.B. der Orientturteltaube
Streptopelia orientalis, der Europäischen Turteltaube
Streptopelia turtur oder vielleicht auch der Palmtaube
Spilopelia senegalensis enthalten könnte.
Quellen und Einzelnachweise
Brisson MJ. 1760. Ornithologia sive synopsis
methodica sistens avium divisionem in ordines, sectiones,
genera, species, ipsarumque varietates. Jean-Baptiste Bauche,
Paris.
Donegan TM. 2024. On the nomenclature of wild and domestic
Streptopelia doves. Bulletin of the British Ornithologists’
Club 144(2), 150-155.
International Commission on Zoological Nomenclature
(herausgegeben von Melville RV, Smith JDD). 1987. Official
Lists and Indexes of Names and Works in Zoology. The
International Trust for Zoological Nomenclature, London.
International Commission on Zoological Nomenclature. 1999.
International Code of Zoological Nomenclature. Fourth Edition.
The International Trust for Zoological Nomenclature, London.
International Commission for Zoological Nomenclature. 2008.
Opinion 2215 (Case 3380), Streptopelia risoria (Linnaeus,
1758) (Aves, Columbidae): priority maintained. Bulletin of
Zoological Nomenclature 65, 327–328.
Roonwal ML. 1940. On the subspecies of the Ring-Dove,
Streptopelia decaocto (Frivaldszky). Records of the Indian
Museum 42, 437-452.
Van Grouw H. 2018. Streptopelia risoria and how Linnaeus had
the last laugh. Bulletin of the British Ornithologists’ Club
138(1), 11-29.
Van Grouw H, Hernández-Alonso G, Cavill E, Gilbert MTP. 2023.
The Founding Feathers: the true ancestry of the domestic
Barbary Dove. Bulletin of the British Ornithologists’ Club
143(2), 153-171.