Die Art ist in Europa und Kleinasien weit verbreitet. In
diesem ausgedehnten Verbreitungsgebiet wurden zahlreiche
Unterarten abgegrenzt, von denen nach genetischen
Untersuchungen jedoch nur 5 gut zu begründen sind (Krystufek
et al. 2021): ssp. italicus auf der Appeninhalbinsel und
Sardinien, ssp. insularis auf Sizilien, ssp. minutus auf der
zentralen Balkanhalbinsel, ssp. argenteus auf der südlichen
Balkanhalbinsel und der ägäischen Inselwelt, und ssp. glis im
gesamten restlichen Verbreitungsgebiet. Die Populationen in
Vorderasien südlich des Kaspischen Meeres galten lange als
Unterart, werden aktuell aber als separate Art Glis persicus
abgetrennt. Wegen der lange angenommenen Artgleichheit der
beiden Taxa, gebe ich die Synonymie von Glis persicus
ebenfalls in der Synonymie-Liste an.
Siebenschläfer waren in vielen frühen Kulturen bereits
bekannt, so nannten die Römer die Tiere "glis" und schätzten
sie als Delikatesse (hierzu auch der englische Name der Art:
"edible dormouse"). Allerdings unterschieden die Römer noch
nicht zwischen den verschiedenen Arten der Bilche; so wurde
beispielsweise auch die Haselmaus als "glis" bezeichnet. Der
Siebenschläfer war auch im Europa des Mittelalters allgemein
bekannt, entging jedoch der Aufmerksamkeit Linnés, der die Art
in seiner Systema Naturae von 1758 nicht behandelt. Allerdings
nutzte er (Linnaeus, 1758) den Namen "Glires" für alle
Nagetiere (und für das Nashorn, das er ebenfalls dort
eingruppierte). Der erste Autor, der den Siebenschläfer
wissenschaftlich beschrieb war dann erst Brisson (1762), der
die Art als "glis" bezeichnete und sie seiner "genus gliris"
zuordnete. Leider nutzt Brissons Werk noch nicht durchgängig
die von Linnaeus (1758) eingeführte binominale Nomenklatur und
war deshalb lange Zeit als Quelle für wissenschaftliche
Taxonnamen stark umstritten. In Opinion 1894 legte die
International Commission on Zoological Nomenclature (ICZN
1998) dann fest, dass die Artbeschreibungen in Brisson (1762)
nicht verfügbar sind, gewisse Gattungsbeschreibungen (darunter
Glis) aber schon. Somit ist der korrekte Gattungsname Glis
Brisson, 1762. Der Siebenschläfer wurde dann erst 1766 von
Linnaeus erstmalig mit einem verfügbaren Binomen belegt:
Sciurus glis Linnaeus, 1766. Durch die Entscheidung der ICZN
gibt es hier also den seltenen Fall, dass ein Gattungsname
zeitlich vor den darin enthaltenen Arten beschrieben wurde.