Die Systematik der Gastrotricha ist in der Vergangenheit vernachlässigt worden. Neben der Einteilung in zwei Großgruppen "Macrodasyida" und "Chaetonotida", die meist als "Ordnungen" eingestuft werden, gibt es nur noch die Einteilung in Familien, die jedoch oft nur schlecht durch Apomorphien begründet sind, und deren Monophylie deshalb oft zweifelhaft ist.
Hier in der Zoographia Germaniae möchte ich jedoch, schon
alleine wegen der Hierarchie der HTML-Seiten, in allen Phyla
zumindest die systematische Einteilung in monophyletische
Klassen, Ordnungen und Familien verwenden. Dies führt bei den
Gastrotricha aktuell noch zu Problemen, weil diese Ränge nicht
oder nicht einheitlich verwendet werden. Allerdings erfährt
die Erforschung der Phylogenie der Gastrotricha derzeit
einigen Aufschwung (Cesaretti et al. 2026, Gammuto et al.
2024, Kolicka et al. 2020, Kosakyan et al. 2026, Wallnoefer et
al. 2026), wodurch ich hoffe, dass wenigstens in der näheren
Zukunft eine phylogenetisch gut begründete Systematik der
Gastrotricha verfügbar sein wird. In der Zwischenzeit verwende
ich ein Provisorium, bei dem ich die bisherigen beiden
Großgruppen Chaetonotida und Macrodasyida nicht als Ordines
sondern als Classes verwende. Zusätzlich nutze ich die
Multitubulatina, die in den aktuellen Studien mal den
Chaetonotida und mal den Macrodasyida zugeschlagen werden, als
eigene Classis, da die Gruppierung in allen aktuellen Arbeiten
als Monophylum erscheint und auch die Ausgliederung aus den
Chaetonotida bzw. aus den Macrodasyida nicht dazu führt dass
diese (jeweils) zu Paraphyla werden. Ich komme also zunächst
zu einem System aus drei Classes Macrodasyida, Multitubulatina
und Chaetonotida (im engeren Sinne ohne die Multitubulatina,
also identisch mit den Paucitubulatina), die jeweils recht
sicher monophyletisch sind.
Für die weitere Unterteilung dieser Classes in Ordines gehe
ich dann mit Provisorien vor. Die Multitubulatina bestehen
bislang nur aus der Familie Neodasyidae, so dass ich davon
einen Ordonamen mit der generischen "-formes"-Endung für
Ordines ableite: Neodasyformes. Bei den Macrodasyida zeichnet
sich in der Analyse von Cesaretti et al. (2026) eine
Unterstruktur aus drei Gruppen ab (in der Studie als Cluster
I, Cluster II und Cluster III bezeichnet), die sich als
Ordines anbieten würden. Cluster II und Cluster III sind sehr
robust unterstützt und finden sich auch in anderen aktuellen
Studien. Cluster I ist jedoch schlechter unterstützt und auch
in anderen Studien nicht vorhanden. Somit halte ich es für
verfrüht, hier schon eine Unterteilung vorzunehmen und füge
als Provisorium unter der Classis Macrodasyida lediglich eine
Ordo Macrodasyformes als "Platzhalter" für zukünftige
phylogenetisch begründete Ordines ein. Innerhalb der
Chaetonotida (im engeren Sinne) zeigen aktuelle Studien eine
größere Gruppe nah verwandter Arten an, die auch bereits mit
dem Taxonnamen Oiorpata belegt wurde (Gammuto et al. 2024,
Kosakyan et al. 2026). Diesen Namen verwende ich nun im Rang
einer Ordo. Die beiden anderen Untergruppen, die in den
aktuellen Studien herausgearbeitet wurden, haben noch keinen
eigenen Namen bekommen, ich verwende hier wieder Provisorien,
die ich von den Familia-Namen ableite und mittels der
generischen Endung -formes bilde: Xenotrichuliformes und
Muselliferiformes. Ich komme deshalb zu folgendem
provisorischen System, das ich als Grundlage für die
HTML-Seiten-Hierarchie in der Zoographia Germaniae verwende:
Phylum Gastrotricha
(1) Classis Macrodasyidae
(1.1) Ordo Macrodasyformes
(2) Classis Multitubulatina
(2.1) Ordo Neodasyformes
(3) Classis Chaetonotida (= Paucitubulatina)
(3.1) Ordo Xenotrichuliformes
(3.2) Ordo Muselliferiformes
(3.3) Ordo Oiorpata