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Oecophoridae
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Endrosis sarcitrella
Kleistermotte     
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Synonyme und andere Namen:
(1) Phalaena sarcitrella Linnaeus, 1758
Tinea sarcitrella (Linnaeus, 1758)
Endrosis sarcitrella (Linnaeus, 1758)
(2) Phalaena sarcitella Linnaeus, 1761 (ungerechtfertigte Emendation)
(3) Tinea lactella Denis et Schiffermueller, 1775
(4) Tinea betulinella Huebner, 1819
(5) Gelechia subditella Walker, 1864
(6) Endrosis lactella antarctica Staudinger, 1898

Die Art ist weltweit verbreitet. Sie ist eine synanthrope Art. In Gebäuden ist sie das ganze Jahr über anzutreffen und kann dort zwei oder mehr Generationen pro Jahr ausbilden. Die Imagines sind überwiegend grau und braun gefärbt, Thorax und Kopf sind reinweiß. Die Larven sind gelblichweiß mit braunem Kopf und Nackenschild. Sie entwickeln sich in einem Gespinstsack in nahezu jeder Form von pflanzlichen oder tierischen Stoffen. Das natürliche Habitat sind vermutlich Vogelnester und Säugetiernester, wo sich die Larven von Federn, Haaren, Kot, Insektenabfällen und dem Pflanzenmaterial des Nests ernähren. Als synanthrope Art ernähren sich die Larven aber auch von gelagerten Früchten, Pilzen, Kartoffeln, Mehl, Hülsenfrüchten, Getreide, Wolle und anderen Tierhaaren. Die Puppenruhe dauert etwa drei Wochen bevor die neue Generation von Imagines auskriecht.
Zur Nomenklatur: Der Name "sarcitrella" wird üblicherweise für diese Art  verwendet, was jedoch aus zwei Gründen problematisch ist:
(1) Das mutmaßliche Typusexemplar, das sich noch immer in der Linnéschen Sammlung befindet, gehört nicht zu der Art, die derzeit als Endrosis sarcitrella bezeichnet wird: Robinson und Schmidt Nielsen (1983) haben das Exemplar untersucht und schreiben (übersetzt): "Wir halten das Exemplar in der Linnéschen Sammlung für falsch bezettelt; es entspricht weder Linnés Beschreibung noch dem aktuellen Konzept von sarcitrella". Sie kommen zu dem Schluss, dass es sich bei dem Exemplar in Wirklichkeit um ein Männchen von Haplotinea insectella (eine Art der Tineidae) handelt. Es besteht also die Möglichkeit, dass es sich bei dem Exemplar, das heute in der Sammlung steckt, nicht um den ursprünglichen Typus handelt und dass es später fälschlicherweise von jemand anderem in die Linnésche Sammlung aufgenommen wurde, oder dass das Typus-Etikett später versehentlich mit diesem Exemplar von Haplotinea insectella kombiniert wurde.
(2) Auch der ursprüngliche Beschreibungstext in der Originalbeschreibung von Phalaena sarcitrella stimmt nicht mit der Art überein, die derzeit als "Endrosis carcitrella" bezeichnet wird. Die ursprüngliche Beschreibung (Linnaeus 1758) lautet: "Tinea alis cinereis, thorace utrinque [sic!] puncto albo" (Übersetzung: "eine Tinea mit grauen Flügeln und einem weißen Fleck auf jeder Seite des Thorax"). Diese Beschreibung stimmt nicht mit Haplotinea insectella überein (was die Annahme stützt, dass das Exemplar in der Sammlung nicht das von Linné selbst verwendete Original ist), aber sie stimmt auch nicht mit Endrosis sarcitrella in ihrer derzeitigen Auslegung überein. Ich behalte den Namen vorläufig bei, schlage jedoch vor, dass in diesem Fall eine Neotypus-Bestimmung sinnvoll wäre, um den Namen "Phalaena sarcitrella" eindeutig mit der vorliegenden Art zu verbinden. Alternativ könnte Phalaena sarcitrella zum Nomen dubium erklärt werden und ein jüngeres und nicht bereits belegtes Synonym als gültiger Name für die Art verwendet werden.
Weitere Anmerkung zur Nomenklatur
: Phalaena fenestrella Scopoli, 1763 wird von einigen Autoren fälschlicherweise als Synonym der vorliegenden Art aufgeführt. Scopoli (1763) verwendete den Namen „Phalaena fenestrella“ zweimal in seinem Buch. Einmal auf Seite 217, wo der Name für die Art verwendet wird, die heute Thyris fenestrella heißt. Und ein zweites Mal auf Seite 252, wo der Name für eine kleine Mottenart mit weißen Vorderflügeln verwendet wird, die mit schwarzen Flecken und Punkten gemustert sind ("Alae anticae albidae; maculis punctisque nigris"). Diese Beschreibung zeigt klar, dass diese zweite "Phalaena fenestrella" nicht mit der vorliegenden Art identisch ist und kein Synonym davon darstellt. Die Beschreibung passt besser zu Arten der Gattung Nemapogon, insbesondere zu Nemapogon granella und Nemapogon variatella. Sie wird üblicherweise als Synonym der erstgenannten Art angesehen (siehe auch dort).
Zur Etymologie: die Bedeutung des Artepithets wird in der Originalbeschreibung nicht erklärt. Die -ella-Endung ist die typische, von Linnaeus eingeführte -ella-Endung aller Artepitheta in den "Tineae", aber der Wortanfang sarcitr- ist unklar. Vermutlich handelt es sich um eine fehlerhafte Ableitung von sarcilis, -es = "wollene Kleidung, Wollstoff" aus dem mittelalterlichen Latein. Hinweise hierauf sind zum einen, dass Linnaeus selbst den Namen etwas später als "sarcitella" statt "sarcitrella" schreibt und der Sammlungszettel in der Linnéschen Sammlung den Namen sogar als "sarcilella" angibt (Hannemann 1997). Zum anderen würde der Hinweis auf den Wollstoff einen klaren Bezug zur Originalbeschreibung herstellen in der Linnaeus (1758) schreibt: "Habitat in Vestimentis", übersetzt: "Sie lebt in Kleidung".

Quellen und Einzelnachweise
Hannemann HJ. 1997. Oecophoridae, Chimabachidae, Carcinidae, Ethmiidae, Stathmopodidae. In: Zoologisches Museum Berlin (Herausgeber). Die Tierwelt Deutschlands, 70. Teil, Kleinschmetterlinge oder Microlepidoptera V. Begründet von Friedrich Dahl. Gustav Fischer Verlag, Jena, Stuttgart, Lübeck, Ulm.

Linnaeus C. 1758. Systema naturae. Tomus I. Editio decima, reformata. Laurentius Salvius, Stockholm.

Linnaeus C. 1761. Fauna Svecica. Laurentius Salvius, Stockholm.

Robinson GS, Schmidt Nielsen E. 1983. The Microlepidoptera described by Linnaeus and Clerck. Systematic Entomology 8, 191-242.

Scopoli IA. 1763. Entomologia Carniolica. Iohannes Thomas Trattner, Wien.




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Zoographia Germaniae wird verfasst und herausgegeben von Niko Prpic-Schäper.
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