Die Art ist weltweit verbreitet. Sie ist eine synanthrope
Art. In Gebäuden ist sie das ganze Jahr über anzutreffen und
kann dort zwei oder mehr Generationen pro Jahr ausbilden. Die
Imagines sind überwiegend grau und braun gefärbt, Thorax und
Kopf sind reinweiß. Die Larven sind gelblichweiß mit braunem
Kopf und Nackenschild. Sie entwickeln sich in einem
Gespinstsack in nahezu jeder Form von pflanzlichen oder
tierischen Stoffen. Das natürliche Habitat sind vermutlich
Vogelnester und Säugetiernester, wo sich die Larven von
Federn, Haaren, Kot, Insektenabfällen und dem Pflanzenmaterial
des Nests ernähren. Als synanthrope Art ernähren sich die
Larven aber auch von gelagerten Früchten, Pilzen, Kartoffeln,
Mehl, Hülsenfrüchten, Getreide, Wolle und anderen Tierhaaren.
Die Puppenruhe dauert etwa drei Wochen bevor die neue
Generation von Imagines auskriecht.
Zur Nomenklatur: Der Name "sarcitrella" wird
üblicherweise für diese Art verwendet, was jedoch aus
zwei Gründen problematisch ist:
(1) Das mutmaßliche Typusexemplar, das sich noch immer in der
Linnéschen Sammlung befindet, gehört nicht zu der Art, die
derzeit als Endrosis sarcitrella bezeichnet wird: Robinson und
Schmidt Nielsen (1983) haben das Exemplar untersucht und
schreiben (übersetzt): "Wir halten das Exemplar in der
Linnéschen Sammlung für falsch bezettelt; es entspricht weder
Linnés Beschreibung noch dem aktuellen Konzept von
sarcitrella". Sie kommen zu dem Schluss, dass es sich bei dem
Exemplar in Wirklichkeit um ein Männchen von Haplotinea
insectella (eine Art der Tineidae) handelt. Es besteht also
die Möglichkeit, dass es sich bei dem Exemplar, das heute in
der Sammlung steckt, nicht um den ursprünglichen Typus handelt
und dass es später fälschlicherweise von jemand anderem in die
Linnésche Sammlung aufgenommen wurde, oder dass das
Typus-Etikett später versehentlich mit diesem Exemplar von
Haplotinea insectella kombiniert wurde.
(2) Auch der ursprüngliche Beschreibungstext in der
Originalbeschreibung von Phalaena sarcitrella stimmt nicht mit
der Art überein, die derzeit als "Endrosis carcitrella"
bezeichnet wird. Die ursprüngliche Beschreibung (Linnaeus
1758) lautet: "Tinea alis cinereis, thorace utrinque [sic!]
puncto albo" (Übersetzung: "eine Tinea mit grauen Flügeln und
einem weißen Fleck auf jeder Seite des Thorax"). Diese
Beschreibung stimmt nicht mit Haplotinea insectella überein
(was die Annahme stützt, dass das Exemplar in der Sammlung
nicht das von Linné selbst verwendete Original ist), aber sie
stimmt auch nicht mit Endrosis sarcitrella in ihrer
derzeitigen Auslegung überein. Ich behalte den Namen vorläufig
bei, schlage jedoch vor, dass in diesem Fall eine
Neotypus-Bestimmung sinnvoll wäre, um den Namen "Phalaena
sarcitrella" eindeutig mit der vorliegenden Art zu verbinden.
Alternativ könnte Phalaena sarcitrella zum Nomen dubium
erklärt werden und ein jüngeres und nicht bereits belegtes
Synonym als gültiger Name für die Art verwendet werden.
Weitere Anmerkung zur Nomenklatur: Phalaena fenestrella
Scopoli, 1763 wird von einigen Autoren fälschlicherweise als
Synonym der vorliegenden Art aufgeführt. Scopoli (1763)
verwendete den Namen „Phalaena fenestrella“ zweimal in seinem
Buch. Einmal auf Seite 217, wo der Name für die Art verwendet
wird, die heute Thyris
fenestrella heißt. Und ein zweites Mal auf Seite 252, wo
der Name für eine kleine Mottenart mit weißen Vorderflügeln
verwendet wird, die mit schwarzen Flecken und Punkten
gemustert sind ("Alae anticae albidae; maculis punctisque
nigris"). Diese Beschreibung zeigt klar, dass diese zweite
"Phalaena fenestrella" nicht mit der vorliegenden Art
identisch ist und kein Synonym davon darstellt. Die
Beschreibung passt besser zu Arten der Gattung Nemapogon,
insbesondere zu Nemapogon granella und Nemapogon variatella.
Sie wird üblicherweise als Synonym der erstgenannten Art
angesehen (siehe auch dort).
Zur Etymologie: die Bedeutung des Artepithets wird in
der Originalbeschreibung nicht erklärt. Die -ella-Endung ist
die typische, von Linnaeus eingeführte -ella-Endung aller
Artepitheta in den "Tineae", aber der Wortanfang sarcitr- ist
unklar. Vermutlich handelt es sich um eine fehlerhafte
Ableitung von sarcilis, -es = "wollene Kleidung, Wollstoff"
aus dem mittelalterlichen Latein. Hinweise hierauf sind zum
einen, dass Linnaeus selbst den Namen etwas später als
"sarcitella" statt "sarcitrella" schreibt und der
Sammlungszettel in der Linnéschen Sammlung den Namen sogar als
"sarcilella" angibt (Hannemann 1997). Zum anderen würde der
Hinweis auf den Wollstoff einen klaren Bezug zur
Originalbeschreibung herstellen in der Linnaeus (1758)
schreibt: "Habitat in Vestimentis", übersetzt: "Sie lebt in
Kleidung".