Die Art ist in Europa weit verbreitet und auch aus
Nordamerika gemeldet. In Deutschland ist die Art aus den
meisten Bundesländern bekannt, ist aber selten und
stellenweise verschollen oder schon ausgestorben.
Die Art bevorzugt lichte Laubwälder, Streuobstwiesen und
Parks. Die Vorderflügel der Imagines zeigen ein Muster aus
Flächen unterschiedlicher Braun- bzw. Orangetönung, die von
feinen schwarzen und weißen Linien eingefasst werden. Die
Hinterflügel sind mittelgrau. Spannweite 12–14 mm. Die
Imagines fliegen von Juni bis August. Die Tiere ruhen an
Baumstämmen oder im Blätterwerk und sind in der Dämmerung und
nachts aktiv. Die Larven sind hellgrau mit braunem Kopf,
Nacken- und Analschild. Sie entwickeln sich im Holz und in der
Rinde von Totholz verschiedener Laubbäume (u.a. Eiche, Weide,
Pappel, Esche, Eberesche, Birke, Kirsche, Apfel). Sie
schlüpfen ab September, überwintern und verpuppen sich ab Mai.
Zur Taxonomie: Der Gattungsname Epicallima wurde von
Dyar (1903) als neuer Ersatzname für den Gattungsnamen Callima
vorgeschlagen, den Dyar als jüngeres Homonym von Kallima,
einer Gattung tropischer Schmetterlinge, betrachtete.
Tatsächlich gibt es einen Article im ICZN, der besagt, dass
die Verwendung von "c" oder "k" für denselben Buchstaben als
identisch gilt (Article 58.5). Es besteht kaum Zweifel daran,
dass in Callima und Kallima das "C" und das "K" für denselben
Buchstaben verwendet werden, und die beiden Namen würden unter
Article 58.5 fallen und somit Homonyme sein, wie von Dyar
(1903) angenommen. Allerdings gilt Article 58.5 nur für Namen
der "species group", während Callima und Kallima Namen der
"genus group" sind. Für diese Namen enthält der Code in
Article 56 andere Bestimmungen, und in Article 56.2 heißt es:
„Selbst wenn der Unterschied zwischen zwei Gattungsnamen nur
ein Buchstabe ist, sind sie nicht homonym.“ Somit sind Callima
und Kallima keine Homonyme, und der neue Ersatzname Epicallima
für Callima ist unnötig. Ich verstehe, warum Dyar (1903) der
Ansicht war, dass die beiden Namen als Homonyme betrachtet
werden sollten, auch wenn diese Auffassung (heute) im
Widerspruch zum ICZN steht. Die beiden Namen werden identisch
ausgesprochen, was zumindest in mündlichen Gesprächen und
Vorträgen zu Verwechslungen führen könnte. Der ICZN jedoch
keine alternativen Auslegungen der Regel in Article 56 zu, und
ich verwende diesen Namen deshalb hier.
Zur Etymologie: lat. formosus, -a, -um = "schön,
wohlgestaltet", verbunden mit der typischen, von Linnaeus
eingeführten -ella-Endung aller Artepitheta in den "Tineae".